Die Kinder von Lir - soulimages by Katja Liedle Fotografie


Die Zeit ist gekommen
den Platz zu verlassen

Purpurner Speisenüberfluss
Haselnusswein aus goldenen Bechern
Schlaf in daunenweichen Betten

Suche nach Nahrung im Sand
Salziges Wasser zu trinken
Unterschlupf auf kahlen Felsen in stümischer See

Die Zeit ist gekommen
den Platz zu verlassen


Vor langer Zeit lebte ein König des mythischen Volkes der Tuatha de Danaan namens Lir. Er wohnte mit seiner Frau und seinen vier schönen Kindern Fionnula, Aodh, Conn und Fiachra in einem Schloss. Doch Lirs geliebte Frau wurde krank und starb und alle vermissten sie sehr. Der König sah, dass seine Kinder sehr traurig waren und eine Mutter brauchten und beschloss, erneut zu heiraten. Dearg, der Hochkönig, sandte ihm seine Tochter Aoife und die beiden heirateten. Aoife war wunderschön, aber sie war nicht die gutherzige Person, für die Lir sie hielt. Anfangs liebte Aoife die Kinder, aber bald wurde sie eifersüchtig auf sie, denn sie wusste, dass Lir sein Kinder mehr liebte als sie. Sie aber wollte die Liebe des Königs für sich allein, also plante sie, die Kinder loszuwerden.

Eines Sommertages nahm Aoife die Kinder mit zum Schwimmen in Lough Derravaragh. Während die Kinder spielten, holte sie ihren Zauberstab hervor und sprach einen schrecklichen Zauber über sie. Es gab einen plötzlichen Lichtblitz und die Kinder verschwanden - an ihrer Statt erschienen vier wunderschöne Schwäne mit schneeweißen Federn. Einer der Schwäne öffnete seinen Schnabel und sprach mit Fionnulas Stimme: "Was hast du uns angetan?"

Aoife kicherte. „Ich habe Euch verzaubert. Neunhundert Jahre lang werdet Ihr Schwäne sein. Dreihundert Jahre müsst Ihr auf diesem See verbringen, dreihundert auf dem Meer von Moyle nahe der nordirischen Küste und dreihundert auf den Gewässern von Inish Glora vor Belmullet. Nur der Klang einer christlichen Kirchenglocke kann diesen Bann brechen. “ Als die Kinder an diesem Abend nicht nach Hause zurückkehrten, suchte der König sie am See. Doch alles, was er sah, waren vier wunderschöne Schwäne. Zu seinem Erstaunen rief ihn einer der Schwäne,  es war Fionnula. Sie erzählte ihm, was Aoife ihnen angetan hatte. Lir kehrte in sein Schloss zurück und bat Aoife, den Zauber rückgängig zu machen, doch Aoife lehnte ab. Lir wurde sehr wütend und verbannte sie aus seinem Königreich. Er verbrachte seine ganze Zeit am See und unterhielt sich mit seinen Kindern und lauschte ihrem Gesang. Als Lir alt wurde und starb, waren die Kinder sehr traurig.

Nach dreihundert Jahren zogen sie in das Meer von Moyle zwischen Irland und Schottland. Es war sehr kalt und stürmisch dort. Als die Zeit gekommen war, nach weiteren dreihundert Jahren, flogen sie nach Inis Glora. Inzwischen waren die Schwäne alt und müde geworden. Das Leben auf der Insel war einfacher, es war wärmer und es gab genug zu essen. Dort hörten sie eines Morgens das Geräusch, auf das sie gewartet hatten. Es war der Klang einer christlichen Kirchenglocke. Sie schwammen ans Ufer. Vor der Kirche, in der die Glocken läuteten, stand ein Mönch namens Caomhog. Er war fassungslos, als er sah, wie die vier Schwäne sich vor seinen Augen in vier alte Menschen verwandelten. Fionnuala schlang die Arme um ihre Brüder, sie waren so glücklich, wieder Menschen zu sein. Sie waren nun über 900 Jahre alt. Caomhog hörte sich ihre traurige Geschichte an und taufte sie, kurz bevor sie an Altersschwäche starben. Er begrub sie alle im selben Grab. In der folgenden Nacht sah er im Traum die vier Kinder durch die Wolken fliegen und wusste, dass die Kinder von Lir jetzt bei ihrem Vater und ihrer Mutter waren.


"Einst waren wir in Purpur gekleidet, speisten im Überfluss, tranken Haselnusswein aus goldenen Bechern und schliefen in weichen Betten, die mit den Brustfedern von Vögeln gefüttert waren. Jetzt jedoch suchen wir unsere Nahrung im Sand, trinken salziges Wasser und suchen Unterschlupf auf kahlen Felsen in stürmischer See".

"Es ist die Zeit gekommen, da wir diesen Platz verlassen müssen, um nach Erris zu fliegen"

(Zitate von http://www.irischemythologie.de/lir.html, dort auch eine schöne und auführlichere Version der Geschichte)




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