Gletscher - soulimages by Katja Liedle Fotografie

Der Fox Gletscher gilt als Tuawes Grab: Te Moeka o Tūawes – Tūawes Bett/ letzte Ruhestätte.




Deine Eishaut schmilzt
wenn seine Hand dich berührt
Schneejungfrauenangst

Kommt sie dir zu nah
dein glühendes Herz erstarrt
Frostflussgefangen

Stets suchend sind wir
im Bündnis von Glück und Tod
Schneeflockentanzend



Die Schneejungfrau Hine Hukatere

„In den felsigen Falten des mächtigen Aoraki-Berges (Mount Cook) gibt es einen weißen Fluss aus Eis, der sich langsam zu seinem Vater Tangaroa, dem Meer bewegt. Wenn die Luft still wird und der Himmel sich gerade mit Sternen bedeckt, bahnt sich die Schneejungfrau ihren Weg durch die Moränen und blickt in die eisigen Felsspalten des Gletschers. "Tuawe", ruft sie. "Tuawe", murmelt sie. "Wo bist du?" Ihre Stimme ist so eisig kalt, dass diejenigen, die ihren Ruf hören, vor Angst erstarren und sich aneinander klammern. DIe Menschen sagen: "Das ist Hine Hukatere, die Schneejungfrau. Sie sucht noch immer nach Tuawe, ihrer einzigen wahren Liebe."

"Wie kann das sein?" sagt jemand.

"Ich werde es dir erzählen", sagt der Eine, der es weiß.

Vor vielen Jahren sah Hine Hukatere (die Schneejungfrau) einen jungen Mann in den Ausläufern von Aoraki nach geeigneten Steinen für Klingen suchen. Er war sehr charmant und sie war so wunderschön, dass sie sich bald ineinander verliebten. Doch jedes Mal, wenn Tuawe versuchte, die Schneejungfrau zu berühren, schrie sie vor Schmerzen, weil seine warmen Hände ihre Haut schmelzen ließen. Tuawe sprang schockiert zurück, weil sie so kalt war, dass seine Finger sofort gefroren.

Eines Tages fragte Hine Tuawe, ob er mit ihr in die Berge gehen würde, um Aoraki (Mount Cook) um warmen Atem und rosige Wangen für sie zu bitten. Tuawe war überglücklich und bereitwillig einverstanden und so brachen sie zum Berg auf.

Als sie begannen zu klettern, bekam Tuawe Angst. Seine Vorfahren hatten allen verboten, Aoraki zu besteigen. Er war die Heimat der Stammeswächter, die eifersüchtig über ihre Ruhestätte wachten. Dennoch gingen die beiden höher und höher. Die Luft wurde kalt und dünn. Hine Hukatere rief Tuawe zu: "Ist das nicht schön? Könnten wir nicht zusammen hier leben?" Tuawe fror zu sehr, um zu antworten. Seine Finger und Zehen waren taub. Sein Gesicht war blau und seine Augenlider waren schwer von Schnee. Er wandte sich langsam Hine zu und sah, wie sie fröhlich über den verschneiten Boden hüpfte.

"Komm schon Tuawe, es ist nicht weit." "Tuawe, es ist nicht mehr weit." Tuawe stolperte auf ihre Stimme zu. In seinem Kopf hörte er Tawhirimatea (Gott des Wetters und der Winde) schreien. "Steig von diesem Berg, oh Sterblicher!" Er fühlte noch, dass Hine seine Hand berührte, als Tawhirimatea ihn vom Rand des Pfades stieß. Als er fiel, schüttelte Hine Hukatere Millionen von Schneeflocken von ihren Fingern, damit Tuawe weich auf ihnen landen könnte. Aber Tawhirimatea blies die Schneeflocken über die Berge davon und Tuawe stürzte in den Tod.

Hine Hukatere verlässt nun die Berge nicht mehr. Sie sucht auch nicht mehr die Gesellschaft von Menschen. Stattdessen wandert sie den weißen Eisfluss entlang und späht zwischen den dicken Blöcken und Eiswällen in der Hoffnung, Tuawe wiederzufinden. Und während sie geht, weint sie und ihre Tränen sind Eis, das in den Gletscher fällt und sich mit ihm langsam hinunter zu Tangaroa, dem Meer bewegt.“


Der Maori-Name des Franz-Josef-Gletschers lautet Ka Roimata o Hine Hukatere – Die Tränen von Hine Hukatere.

Der benachbarte Fox Gletscher gilt als Tuawes Grab: Te Moeka o Tūawe – Tūawes Bett/ letzte Ruhestätte.




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