Harakeke - Familiengewebe - soulimages by Katja Liedle Fotografie

Harakeke (Neuseeland Flachs)

Die Harakeke-Pflanze repräsentiert für die Maori die Familie (Whanau). Der Rito (junger Spross) ist das Kind. Es ist schützend von den Awhi Rito (Eltern) umgeben. Die äußeren Blätter repräsentieren die Tūpuna (Großeltern und Vorfahren). Nur die äußeren Blätter - die Tūpuna - wurden geschnitten, um die Pflanze nicht zu schwächen.

Weberei

Zuerst benutzten die Māori-Frauen Flachs in der gleichen Weise, wie sie die Pandanus-Pflanze in Polynesien benutzt hatten - sie webten Körbe, Behälter und Matten aus den Blättern. Sie lernten dann, die starken Fasern (Muka) aus den Blättern zu isolieren, indem sie das grüne Fleisch mit einer scharfen Schale wegschabten. Das Muka wurde geklopft, bis es weich war, dann gewaschen und manchmal gefärbt. Gezwirnt, geflochten und gewebt, wurde es verwendet, um eine breite Palette von Gegenständen, wie z.B. Fischernetze und Vogelfallen, Schuhe, Schnüre und Seile herzustellen.

Aus dichten Bündeln von Korari, den getrockneten Blumenstielen, wurden Flöße hergestellt, die es einem unerschrockenen Reisenden ermöglichten einen See oder einen reißenden Fluss zu überqueren. Der reichlich vorhandene Nektar der Harakeke-Blüten wurde zum Süßen von Speisen und Getränken verwendet. Harakeke hatte auch viele Rongoa (medizinische) Anwendungen. Der klebrige Saft oder Gummi, den Harakeke produziert, wurde auf Furunkel und Wunden aufgetragen und gegen Zahnschmerzen verwendet. Harakeke-Blätter wurden verwendet, um gebrochene Knochen zu schienen und weichgeklopfte Blätter dienten als Verbandsmaterial. Harakeke-Wurzelsaft konnte man als Desinfektionsmittel auf Wunden auftragen.

Flachs war aber nicht nur nützlich - er war für die Maori eine Möglichkeit, ihre Kultur weiterzugeben. Durch bestimmte Webmuster wurden Geschichten erzählt und Glaubensüberzeugungen weitergegeben.

Hine-rehia und die Kunst des Webens und Flechtens

Die Maori in Hauraki glaubten, dass die Techniken des Webens und Flechtens von einer patupaiorehe, oder Fee, namens Hine-rehia erlernt worden waren. Diese Textilexpertin heiratete einen Sterblichen, webte aber - nach Feenart - nur nachts. Im Morgengrauen legte sie ihre unvollendete Arbeit beiseite, denn die Sonne hätte nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihre Fähigkeiten zunichte machen können. Die Frauen von Motuihe wollten unbedingt die Geheimnisse der Fee im Tageslicht lernen. Sie baten eine Tohunga ihre Sinne zu verwirren, damit sie auch nach Sonnenaufgang weiterweben würde. So erlernten sie ihre Fähigkeiten, aber es dauerte nicht lange, bis Hine-rehia erkannte, dass sie ausgetrickst worden war. Sie sang für ihren Mann und ihre Kinder ein trauriges Abschiedslied, bevor eine Wolke sie in die Berge der Moehau Range entführte. Manchmal, im dichten Nebel, ist ihr Klagelied noch immer noch zu hören.

Harakeke Rituale

Harakeke gehört zum Reich von Haumia-tiketike, dem Hüter der wildwachsenden Nahrungsmittel, und deshalb werden Karakia (Gebete) rezitiert, bevor man Harakeke erntet, um dem Gott zu danken und um Schutz zu bitten. Die Verehrung der Harakeke-Pflanze zeigt sich auch in den Tikanga (Ritualen) rund um das Arbeiten mit Flachs. Einige Rituale, die beim Harakeke-Anbau angewendet wurden, beinhalten ein Karakia (Gebet) vor dem Schneiden des Flachses, auch bei jedem Schritt des Webprozesses wurden Rituale durchgeführt. Viele Maori halten sich weiterhin an diese Regeln und führen so die Traditionen ihrer Vorfahren fort.

Flachs spielte auch eine Rolle bei Prophezeiungen und der Vorhersage von Ereignissen. Wenn ein Blatt, das während einer entsprechenden Zeremonie von der Basis einer Pflanze gezogen wurde, ein kreischendes Geräusch erzeugte, erholte sich der Patient eines Tohunga (Priesters). Wenn dasselbe Geräusch während einer Zeremonie vor einem Angelausflug zu hören war, war ein guter Fang sicher. Über den Mund einer sterbenden Person wurde ein Flachsblatt gehalten, als ein ritueller Pfad für deren letzte Atemzüge. Wenn die Spitzen der Blätter einer Flachspflanze verknotet gefunden wurden, so war dies ein Zeichen dafür, dass die Geister der Verstorbenen vorübergegangen waren.


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