Kaitiakitanga - Verantwortung für das Land - soulimages by Katja Liedle Fotografie

Verantwortung für das Land - Kaitiakitanga

Kaitiakitanga bedeutet Vormundschaft, Schutz, Bewahrung. Es ist ein Weg, unsere Umwelt und ihre Ressourcen zu erhalten, basierend auf der traditionellen Weltanschauung der Māori. Die Māori glauben, dass es eine tiefe Verwandtschaft zwischen den Menschen und der natürlichen Welt gibt. Alles Leben ist verbunden. Die Menschen sind der natürlichen Ordnung nicht überlegen; sie sind Teil davon. Wie viele andere indigene Kulturen sehen auch die Māori den Menschen als Teil des Netzes oder Gewebes des Lebens. Um die Welt zu verstehen, muss man die Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilen des Gewebes verstehen.

Umweltbelastung

Alle menschlichen Gesellschaften, einschließlich der Māori, beeinflussen die Umwelt, in der sie leben. Bevor die Europäer kamen, jagten die Māori den Moa (riesiger flugunfähiger Vogel) bis zum Aussterben und brannten große Waldflächen ab. Auch die Besiedelung Neuseelands durch die Europäer hatte schwerwiegende Auswirkungen auf einheimische Pflanzen und Tiere, Land und Meer, zum Beispiel wurden zur Holzgewinnung und um Platz für die Landwirtschaft zu schaffen, große Waldflächen gefällt.

Mensch und Umwelt - Traditionelles Kaitiakitanga

Traditionell gab es eine intime Beziehung zwischen den Menschen und ihrer Umwelt. Die Gesundheit einer Gemeinschaft spiegelte sich in ihrer Umgebung wider und umgekehrt. Wenn zum Beispiel Flüsse trübe oder verschmutzt waren, war etwas mit den Menschen dort nicht in Ordnung. Kaitiakitanga basierte auf dieser Beziehung.

Überlieferte Praktiken hielten das Gleichgewicht zwischen den Maori-Gemeinschaften und der Natur aufrecht und sorgten bei Aktivitäten wie Vogeljagd, Gartenarbeit und Fischerei für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen.

Dazu gehört z.B.:

• Festlegung vorübergehender Rāhui (Einschränkungen) für bestimmte Aktivitäten
• Verwendung des Maramataka (Mondkalenders), um das Pflanzen und Ernten zu regeln
• Verbot der Jagd von Fischen und Vögeln nur zum Vergnügen
• Verwendung geeignete Körbe für verschiedene Arten von Lebensmitteln, um sie haltbarer zu machen
• Nachhaltige, bedarfsgerechte Ernte
• Das Legen von Mauri (Lebenskraft)-Steinen in Gärten. Ein Tohunga (Priester) sprach ein Karakia (Zauber/Gebet) über dem Stein zum Schutz der Ressourcen
• Während der Brutzeit der verschiedenen Arten werden keine Jagdschlingen gelegt
• Beschränkung des Fischfangs - zum Beispiel fischten manche Stämme mit einem riesigen Netz zwischen zwei Kanus, aber nur einmal im Jahr.

Kaitiaki – Hüter des Landes

Ein Kaitiaki ist eine Person oder Gruppe, die von den Tangata whenua („das Volk des Landes“, die Stammesgruppe die Autorität über ein bestimmtes Gebiet hat) als Hüter anerkannt wird. Viele hapū (Unterstämme) und whānau (Familien) kümmern sich um einen bestimmten Ort wie z.B. einen See oder Wald. Sie arbeiten daran, das Naturerbe zu erhalten, Umweltprobleme anzugehen und traditionelles Wissen wiederzubeleben. Das Wort tiaki ist die Grundlage des längeren Wortes kaitiakitanga. Tiaki ist das Wort für „bewachen“. Es bedeutet aber auch „erhalten, fördern, schützen und bewahren“. Das Präfix kai bedeutet jemanden, der eine Handlung ausführt. Ein Kaitiaki ist also eine Person, eine Gruppe oder ein Wesen, die/das als Pfleger, Beschützer, und Bewahrer agiert. Die Götter der natürlichen Welt galten als die ursprünglichen Kaitiaki - zum Beispiel war Tane, der Gott des Waldes, der Kaitiaki der Wälder. Alle anderen Kaitiaki orientieren sich an diesen ursprünglichen Hütern.

Mana, Tapu und Mauri sind Konzepte, die für die traditionelle Māori-Weltanschauung und das Kaitiakitanga zentral sind.

Mana: spirituelle Kraft

Das Mana (die Kraft) eines Waldes drückt sich zum Beispiel in seinen Vögeln, Bäumen und anderen natürlichen Merkmalen aus. Reiche Blüten und Früchte und die große Zahl der Vögel, die zum Fressen ankommen, zeigen das Mana des Waldes. Begriffe wie Matomato (kräftig wachsen) und Māpua (fruchtbar) beschreiben diese Fülle.

Tapu: spirituelle Regeln/Verbote

Damit Mana im Wald entsteht, müssen einige Einschränkungen eingeführt werden. Tapu (spirituelle Regeln/Verbote) führt zur Praxis von Rāhui (Verhaltensregeln/Einschränkungen).

Mauri: Lebenskraft

Der Wald muss auch Mauri besitzen, eine elementare Lebenskraft. So können Früchte wachsen, Vögel überleben und so weiter. Im traditionellen Kaitiakitanga wurden die Wälder strikt verwaltet. Tohunga (Priester) führten Rituale wie Karakia (Zauber) über einen Mauri-Stein (ein Stein, von dem man glaubte, dass er die Lebenskraft enhält) aus. Sie schützten die Mauri des Waldes, so dass sein Mana fließen konnte.

Der Ngāti Raukawa Älteste Tāmati Ranapiri erklärt: „Das Mauri ist eine göttliche Autorität, durch die in einem bestimmten Gebiet Nahrung hervorgebracht oder vor Ort erhalten werden kann. Es gibt Mauri im Land und Mauri in Wasserstraßen wie Flüsse und Seen. Wenn es an einem Berg oder in einem Wald keine Vögel gibt, oder vielleicht einen Fluss ohne Fische ... dann bringt man einen Mauri[-Stein] dorthin.

Kaitiakitanga heute - Gesetzgebung

Kaitiakitanga wurde in einige Rechtsvorschriften aufgenommen. Der Resource Management Act von 1991 zielt auf eine nachhaltige Bewirtschaftung von Umweltressourcen ab. Er besagt, dass die Behörden und ihre Angestellten, die von Gesetzes wegen natürliche Ressourcen verwalten, das Kaitiakitanga berücksichtigen müssen. Das Gesetz definiert Kaitiakitanga als "die Ausübung der Vormundschaft durch die Tangata whenua eines Gebiets in Übereinstimmung mit Tikanga Māori in Bezug auf natürliche und physische Ressourcen auf Basis eines verantwortlichen Umgangs mit natürlichen Ressourcen". Die Iwi (Stämme) sehen diese Regelung als Chance, das Kaitiakitanga in ihren traditionellen Gebieten zu fördern.

Māori und Nicht-Māori

Kaitiakitanga erlaubt es den Māori heute, die Verantwortung und Hoffnungen ihrer Vorfahren fortzuführen. Es ermöglicht auch Nicht-Māori, über die Idee der Verwandtschaft mit der Natur nachzudenken, und wie dieses Konzept in einer ökologisch bedrohten Welt nützlich sein könnte.


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