Māui - polynesischer Trickster-Held

Die Figur des Māui als Kulturheld kommt in allen polynesischen Überlieferungen vor, so natürlich auch bei den Maori. Er ist stark und schlau, ein Halbgott, über den in vielen Geschichten berichtet wird. Er fischt unter anderem die Nordinsel aus dem Meer, bringt den Menschen das Feuer, zwingt die Sonne dazu, sich bei ihrem Weg über den Himmel mehr Zeit zu lassen und scheitert letzendlich erst, als er versucht, den Menschen die Unsterblichkeit zu verschaffen.

Dadurch, dass die Erschaffung der Nordinsel dem aus dem mythischen Hawaiki stammenden Māui zugeschrieben wird - der ein Ahne der Maori ist -  legitimiert sich gleichzeitig die Besiedlung Neuseelands.

Māui fischt die Nordinsel aus dem Meer

„Māuis Brüder, die es satt hatten, ihren jüngeren Bruder mit vollen Händen Fische fangen zu sehen, während sie kaum genug an den Haken bekamen, um ihre Familien zu ernähren, versuchten gewöhnlich, ihn nicht mitzunehmen, wenn sie fischen gingen. Aber ihre Frauen beklagten sich bei Māui über einen Mangel an Fisch, also versprach er ihnen einen Fang, der so groß war, dass sie nicht alle Fische essen könnten, bevor sie verdarben.

Um seine Prahlerei gerecht zu werden, bereitete Māui sorgfältig einen speziellen Angelhaken vor, dessen Spitze er mit einem Stück von dem magischen Kieferknochen seiner Großmutter Muriranga-whenua versah, und versteckte sich dann unter den Bodenmatten des Fischerkanus seiner Brüder.

Im Morgengrauen stachen die Brüder heimlich in See und dachten, sie hätten es geschafft, ihren Bruder zurückzulassen, und erst als sie auf dem Meer waren, kam Māui unter den Matten hervor. Die Brüder waren wütend, aber es war zu spät, um umzukehren. Nachdem sie vergeblich gefischt hatten, schlug Māui vor, dass sie bis weit außerhalb der Sichtweite des Landes segeln sollten, wo sie so viele Fische fangen würden, wie das Kanu transportieren konnte. Die entmutigten Brüder ließen sich leicht überzeugen, und Māuis Prophezeiung wurde wahr. Als aber das Kanu so überladen war mit Fischen, dass das Wasser hereinschwappte und die Brüder bereit waren, nach Hause zu segeln, holte Māui seinen eigenen Haken und seine eigene Schnur heraus und gegen ihre Proteste bestand er darauf, ihn auszuwerfen. Als Köder schlug er sich seine Nase blutig und beschmierte den Haken aus dem magischen Kieferknochen seiner Großmutter mit seinem eigenen Blut. Als Māui begann, ein Gebet zu singen, "um die Welt zu emporzuziehen", straffte sich plötzlich die Angelschnur. Obwohl das Kanu fast umkippte und kurz vor dem Untergang stand, zog er grimmig weiter und seine verängstigten Brüder schöpften eilig das Wasser aus dem Boot.

Endlich wurde Māuis Fang an die Oberfläche gezerrt und alle staunten. Denn Māuis Haken hatte sich in den Giebel des Runanga (Versammlungshaus) von Tonganui (Großer Süden) verfangen und mit ihm war der weite Landkeil emporgekommen, der jetzt die Nordinsel von Neuseeland bildet und von den Maori Te Ika a Māui genannt wird, "der Fisch von Māui".

Solch ein riesiger Fisch war natürlich tapu (heilig) und Māui kehrte hastig zu seiner Insel Hawaiki zurück, um einen tohunga (Priester) zu holen, der das Tabu aufheben konnte. Obwohl er seine Brüder bat, zu warten, bis er zurückkehrte, bevor sie den Fisch zerschnitten, begannen diese, sobald er fort war den Fisch zu schuppen und zu zerschneiden, - ein Sakrileg, der die Götter verärgerte, der Fisch wehrte sich und wand sich hin und her, dadurch bekam er viele tiefe Schnittewunden von den Messern der Brüder. Aus diesem Grund ist nun ein Großteil der Nordinsel gebirgig. Wäre Mauis Rat befolgt worden, wäre die ganze Insel bis heute ebenes Land.„

Die Nordinsel gilt bei den Maori bis heute als der Fisch von Maui (Te Ika-a-Māui), die Südinsel als das Kanu von Maui (Te Waka a Māui).

Eine regionale Legende besagt, dass Māui die Halbinsel Kaikoura als Standort benutzte, als er die Nordinsel aus dem Meer fischte. Dadurch entstand der früheste Name der Halbinsel: Te Taumanu o te Waka a Māui - der Sitz von Māui's Kanu.

Māui verlangsamt die Sonne

Früher bewegte sich die Sonne schnell über den Himmel und die mEnschen hatten nicht genügend Zeit, iher Tagwerk zu vollbringen. Māui schlug vor, die Sonne einzufangen und zu verlangsamen. Mit dem Kieferknochen von Muriranga-whenua und jede Menge Seil aus Muka, den starken Fasern des neuseeländischen Flachses bewaffnet, reisten Māui und seine Brüder also nach Osten und fanden die Grube, in der der Sonnengott Tama-nui-te-rā während der Nacht schlief. Dort legten sie die Seile wie eine riesige Schlinge um die Grube und bauten eine Mauer aus Lehm, um sich dahinter zu verstecken. Als Tama-nui-te-rā am Morgen aus der Grube kam, war er in der Schlinge gefangen, die Māuis Brüder mit aller Macht festhielten und Māui schlug ihn so lange heftig mit dem magischen Kieferknochen, bis er sich ergab und sich bereit erklärte, langsamer über den Himmel zu reisen.




Powered by SmugMug Owner Log In

Original text