Entstehung der Welt - Schöpfungsgeschichte - soulimages by Katja Liedle Fotografie

Maori Schöpfungsgeschichte - die Erschaffung der Welt

Mit Te Kore (der großen Leere, in der nichts existierte) und Te Pō (der ewigen dunklen Nacht) beginnt die Māori-Schöpfungsgeschichte. In dieser Dunkelheit, gefangen zwischen ihren Eltern Ranginui (Himmelsvater) und Papatuanuku (Erdmutter), die in einer endlosen Umarmung vereint waren, lebten die Kinder der beiden. Die Liebe zwischen Ranginui und Papatuanuku war so groß, dass sie es nicht ertragen konnten, getrennt zu sein. Indem sie sich aneinander festklammerten, hielten die Eltern auch ihre sechs Söhne vom Licht fern. Eines Tages aber schien, als Ranginui sich bewegte, ein einzelner Lichtstrahl durch Papatuanukus Achselhöhle auf ihre Kinder. Von diesem Glanz erstaunt, sehnten sich die Kinder danach, sich zu befreien und in die Welt des Lichts einzutreten.

Es werde Licht

Tūmatauenga (Gott des Krieges), der grimmigste der Söhne, meintw, dass die beste Lösung für ihre missliche Lage darin bestünde, ihre Eltern zu töten. Aber sein Bruder Tāne Mahuta (Gott des Waldes) stimmte dem nicht zu, er glaubte, dass es besser sei, sie voneinander zu trennen, so dass Ranginui wie ein Fremder oben im Himmel leben würde, während Papatūānuku unten bliebe, um sie zu nähren. Einer nach dem anderen versuchen sich die Söhne daran ihre Eltern auseinander zu treiben – erst Rongo, der Gott der kultivierten Nahrungsmittel, dann kamen Tangaroa, der Meeresgott, und sein Bruder Haumia-tiketike, der Gott der wildwachsenden Nahrungsmittel, zu Hilfe, aber alle Anstrengung war umsonst. Schließlich legte sich der mächtige Tāne auf den Rücken und grub seine Schultern tief in den Körper seiner Mutter. Mit den Füßen stemmte sich Tāne gegen seinen Vater und versuchte mit aller Kraft, Licht in die Welt zu bringen. Er ignorierte die Schreie seiner Mutter, die ihn bat, aufzuhören, drängte immer weiter und die Verbindung zwischen seinen Eltern begann zu reißen. Tāne konzentrierte sich auf seine letzten Reserven, streckte seine mächtigen Beine aus, zwang Ranginui in den Himmel und überflutete die Welt mit hellem Licht.

Ursprung der Vulkane

Nachdem Rangi und Papa von ihren Söhnen getrennt wurden, weinte Rangi bitterlich und seine Tränen überschwemmten das Land. Um das zu beenden, beschlossen die Söhne, Papa mit dem Gesicht nach unten zu drehen, so dass Rangi und Papa einander nicht mehr sehen konnten. Rūaumoko, der jüngste Sohn, war an der Brust seiner Mutter, als dies geschah, also wurde er in die Unterwelt getragen. Um ihn zu wärmen, wurde ihm das Feuer geschenkt und seine Bewegungen unter der Erde verursachen Erdbeben und Vulkane.

Uneinigkeit schafft neue Bedingungen

Der einzige Bruder, der der Trennung der Eltern nicht zugestimmt hatte, war Tāwhirimātea, der Gott des Windes und der Stürme. Als Ranginui und Papatūānuku getrennt wurden, stieg er in den Himmel auf, um bei seinem Vater zu sein. Um sich an seinen Brüdern zu rächen, griff er dann zuerst Tāne Mahuta an - den Gott des Waldes, der Rangi und Papa getrennt hatte. Die mächtigen Bäume in Tanes Reich wurden umgeknickt wie Streichhölzer und fielen zu Boden. Dann wandte er sich gegen Tangaroa (Gott des Meeres), der in den Tiefen des Ozeans Zuflucht suchte. Aber als Tangaroa floh, waren seine vielen Enkel verwirrt, und während die Fische mit ihm zum Meer aufbrachen, versteckten sich die Echsen und Reptilien zwischen den Felsen und den zerstörten Wäldern und folgten ihm nicht. Das machte Tangaroa sehr wütend. Seine Enkel hatten ihn verlassen und suchten Schutz in den Wäldern. So kommt es, dass das Meer bis zum heutigen Tage immer am Land nagt, es langsam erodiert und hofft, dass seine Nachkommen aus den Wäldern wieder zu Tangaroa zurückkehren werden.

Danach wandte Tāwhirimātea sich Rongomātāne und dessen Domäne kultivierter Nahrung und vor allem der Kūmara (Süßkartoffel) zu und anschließend Haumia-Tikitiki, dem Gott der Farnwurzel (Aruhe) und wildwachsenden Nahrung. Um zu entkommen, versteckten sie sich beide in ihrer Mutter Papatūānuku. Deshalb sind Kūmara und Farnwurzel bis heute unter der Erde zu Hause.


Powered by SmugMug Log In