Whanau und Wakapapa - Familie und Herkunft - soulimages by Katja Liedle Fotografie

Der Beginn

Die Maori erreichten Neuseeland von Polynesien aus ab dem 12. Jahrhundert. Laut ihrer Legenden war das Land zu dieser Zeit bereits besiedelt (seit ca. 850 n. Chr.), was sich aber wissenschaftlich bis heute nicht belegen lässt. Aus ihrer mythischen Heimat Hawaiki (vermutlich Tahiti) in Polynesien brachten sie Nahrunsgpflanzen und viele mythische Überlieferungen mit, die sich dann in der neuen Heimat weiterentwickelten. Es gibt viele unterschiedliche Stämme und Unterstämme, die jeweils ihre eigene Überlieferung haben und eigene Herkunftsmythen, eigene Genealogien und Geschichten zur Entstehung der Welt haben. Von vielen Legenden finden sich Varianten überall in Neuseeland, die leicht voneinander abweichen.

Die Götter und ihre Familien

Bei den Maori wurde die ganze Welt als ausgedehnte und komplexe Whanau (Familie) betrachtet. In der Māori-Schöpfungsgeschichte vereinigten sich Erde und Himmel und brachten 5 Kinder und viele Enkel in die Welt, die schließlich ihre Eltern auseinandertrieben und die Welt bevölkerten. Jedes der Kinder wurde zum Gott eines bestimmten Bereiches der natürlichen Welt. Ihre Kinder und Enkel wiederum wurden dann als Vorfahren/Ahnen der Menschen betrachtet. Zum Beispiel hatte Tangaroa, Gott des Meeres, einen Sohn namens Punga. Punga hatte zwei Kinder: Ikatere, Vorfahre der Fische des Meeres, und Tûtewehiwehi, Vorfahre der Fische und Amphibien der Binnengewässer.

Whakapapa

Whakapapa (Genealogien und Geschichten), ein zentrales Konzept in der Weltanschauung der Maori drückt das menschliche Bedürfnis nach Verwandtschaft mit der Welt aus. Sie beschreiben die Beziehungen zwischen den Menschen und dem Rest der Natur. In einer Tradition beanspruchen z.B. einige Stammesgruppen und die Fische des Meeres Abstammung von Tangaroa, dem Gott des Meeres.

Whakapapa erklärt auch die Ursprünge von Tieren, Pflanzen und Merkmalen der Landschaft. Eine Geschichte zum Beispiel über den Ursprung eines Vogels zu erzählen, bedeutet, seine wahre Essenz oder seinen Charakter heraufzubeschwören.

Diese Zusammenhänge wurde in Tātai (Genealogien) und Kōrero (Geschichten) erklärt, die zusammen als Whakapapa bezeichnet werden (Wortbedeutung: eine Grundlage bilden, etwas in Schichten aufbauen). Experten unter den Maori rezitierten das Whakapapa von Menschen, Vögeln, Fischen, Bäumen und dem Wetter, um die Zusammenhänge zwischen allen Dingen zu erklären und sich so in der Welt zu verorten. Dies half den Menschen, die Welt zu verstehen und innerhalb dieser komplexen Beziehungen zwischen allen Phänomenen des Lebens angemessen zu handeln.

Whakapapa ist ein taxonomischer Rahmen, der alle belebten und unbelebten, bekannten und unbekannten Phänomene in der irdischen und spirituellen Welt verbindet. Es bildet Beziehungen ab, so dass Mythologie, Legenden, Geschichten, Wissen, Tikanga (Bräuche), Philosophien und spirituelles Wissen von einer Generation zur nächsten organisiert, bewahrt und weitergegeben werden können.

Whakapapa ist der Kern des traditionellen Mātauranga Māori (Māori Wissen). Der Ostküsten-Älteste Āpirana Ngata erklärt, dass Whakapapa "der Prozess ist, etwas Schicht für Schicht aufzubauen". Man stellt sich Ursprungsvorfahren als erste Generation vor, und die nächsten und nachfolgenden Vorfahren werden in geordneten Schichten darüber angeordnet.

Der Wert mündlicher Überlieferung

Obwohl viele der Geschichten der Maori Mythen sind, haben sie auch eine praktische Funktion. Sie können Wissen über die natürliche Welt weitergeben, wie zum Beispiel, wo Kererū (Neuseeland-Tauben) zu finden sind und wie man sie am besten jagt. Obwohl mittlerweile die Wissenschaft als eine andere Art, die natürliche Welt zu verstehen, vorherrschend ist, ist das traditionelle Prinzip der Verbundenheit mit der Natur weiterhin wichtig und bedeutungsvoll für Māori. Zum Beispiel macht die Genealogie von Fischen und Meerestieren die Verwandtschaft von Menschen und anderen Lebewesen deutlich. Sie reflektiert Werte, die als Richtlinien für die Interaktion der Menschen mit anderen Spezies dienen können, die Respekt und richtiges Verhalten lehren.


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